600km Brevet: Böhmische Dörfer und Burgen

613 km und 8030 Höhenmeter in 39 Stunden – ein Brevet ab Dresden durchs Erzgebirge und quer durch Böhmen, vorbei an Dutzenden Schlössern und Burgen.

600km Brevet: Böhmische Dörfer und Burgen (04.–05.07.2026)

Vorgeschichte

Unser Vereinsmitglied Marco hatte den Plan, in 2027 bei Paris-Brest-Paris mitzufahren. Dafür wollte er sich in 2026 ein 600er-Brevet aussuchen, um sicher einen Startplatz zu bekommen. Die Plätze in Berlin waren nach einem Tag vergeben, in anderen ARA-Standorten ebenso. Blieb also nur der 600er ab Dresden mit unglaublichen 8000 Höhenmetern. Hier war die Nachfrage überschaubar.

Marco steckte mich mit der Idee an und ich fragte Alex H., der bisher auf allen meinen langen Touren dabei war. Kurzentschlossen meldeten wir uns alle an. Marco hatte dann zwei Wochen vor dem Start einen Radunfall und konnte wegen Knieschmerzen nicht starten.

Also blieben nur Alex und ich übrig. Wir fuhren am Freitagabend nach Dresden und übernachteten in einem Zimmer neben Schloss Pillnitz. Am Abend vor dem Start gönnten wir uns noch ein gutes Abendessen direkt an der Elbe. Wir machten einen entspannten Spaziergang am Fluss und schauten bei Schloss Pillnitz vorbei.

Schloss Pillnitz am Vorabend des Starts

Am nächsten Morgen ging es dann früh los. Wir fuhren zum Start in Heidenau und bereiteten unsere Räder vor.

Kurz vor dem Start an der Radrennbahn Heidenau

Wir hatten noch ein kurzes Frühstück mit den anderen Fahrern und um 8 Uhr ging es auf die Reise!

Beim Start an der Radrennbahn Heidenau

Die Strecke

Der diesjährige 600er Brevet ab Dresden war der flachste der Saison – im Schnitt nur 1318 Höhenmeter pro 100 km. Damit kam er dem Profil von Paris–Brest–Paris so nah wie nie. Aber eben nur im Schnitt. Denn gleich zu Beginn wartete der Erzgebirgskamm auf uns.

Kontrollpunkt 0 an der Radrennbahn in Heidenau (08:00 Uhr, 0 km)

Wir starteten mit einem Stück entlang des Müglitztals und passierten direkt das erste Schloss: Schloss Weesenstein.

Schloss Weesenstein, kurz nach dem Start
Schloss Weesenstein (aphapp, pixabay.com)

In Schlottwitz bogen wir nicht auf die Märchenwiese ab, sondern fuhren über Maxen – ein landschaftlich reizvoller Abschnitt mit schöner Aussicht. Danach ging es weiter über Reinhardtsgrimma, vorbei am zweiten Schloss.

Schloss Reinhardtsgrimma (Von Norbert Kaiser – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

In Oberfrauendorf nahmen wir die Hochwaldstraße, eine asphaltierte, für Autos gesperrte Strecke. Achtung im Wald: Eine Schranke ist meist geschlossen, aber umfahrbar. Nach dem Wald ging es weiter Richtung Kamm. In Hirschsprung wurde es kurz steil – über 10 % Steigung –, aber das blieb die Ausnahme. Danach erreichten wir Altenberg, eine traditionsreiche Bergbaustadt mit Wintersportzentrum. In Zinnwald überquerten wir die Grenze nach Böhmen und erreichten den höchsten Punkt der Strecke.

Die folgende Abfahrt war ein Genuss: 8 km mit 500 Höhenmetern auf breiter Straße. Unten erwartete uns das erste böhmische Schloss: Zámek Duchcov – Kontrollpunkt 1, am Fuße des Erzgebirges und des České Středohoří.

Kontrollpunkt 1 Zámek Duchcov (10:58 Uhr, 64 km, 1129 hm)

Klaus, Sebastian (aus Regensburg), Alexander, David (aus Dresden) vor Zámek Duchcov

Bald ging es wieder bergauf zum Milešovka, vorbei an weiteren Schlössern, Burgen und Ruinen.

Unterwegs zwischen Kontrollpunkt 1 und 2, Blick auf Hrad Házmburk
Unterwegs zwischen Kontrollpunkt 1 und 2, Blick auf Hrad Házmburk
Unterwegs zwischen Kontrollpunkt 1 und 2

In Klapý erreichten wir Kontrollpunkt 2 am Fuße des Hrad Házmburk (deutsch: Hasenburg 🥰).

Kontrollpunkt 2 Hrad Házmburk (12:41 Uhr, 102 km, 580 hm)

Die erste Pause gab es dann nach ca. 115 km in Peruc an einer Tankstelle. In der Regel gab es immer 2–3 l Flüssigkeit, ein großes Baguette und mehrere Schoko-Riegel.

Pause an einer Tankstelle (115 km bei Peruc)

Weiter geht's zur Ohře (deutsch: Eger), die südlich des Erzgebirges zur Elbe fließt. Der nächste Kontrollpunkt ist typisch böhmisch: die Königliche Brauerei Krušovice, seit 1581 aktiv.

Kontrollpunkt 3 Královský pivovar Krušovice (14:50 Uhr, 142 km, 501 hm)

Danach durchqueren wir den Landschaftsschutzpark Křivoklátsko zur Burg Hrad Křivoklát (Pürglitz) – eine bedeutende Residenz der böhmischen Könige. Kontrollpunkt 4 befand sich direkt im Schlosshof.

Kontrollpunkt 4 Hrad Křivoklát (16:09 Uhr, 171 km, 317 hm)

Ab hier folgten wir der Berounka, einem Zufluss der Moldau. Kurz vor Beroun bogen wir ab zum Wallfahrtsort Svatý Jan pod Skalou, wo ein Kloster zwischen Felsen versteckt lag.

Svatý Jan pod Skalou (Autor: cs:ŠJů – Vlastní dílo, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)
Brücke über die Berounka, ein Zufluss der Moldau, nach ca. 200 km

Auf dem Weg zum nächsten Kontrollpunkt fuhr Alex in einen Spalt zwischen zwei Betonplatten und kam sehr glücklich mit einem Platten davon.

Platten flicken zwischen Hyskov und Beroun, nach ca. 202 km

Danach wartete ein Highlight: die Burg Karlštejn, gegründet 1348 von Karl IV., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Hier wurden einst die Reichsinsignien aufbewahrt. Ein Fotostopp war Pflicht an Kontrolle 5.

Kontrollpunkt 5 Hrad Karlštejn (19:57 Uhr, 228 km, 1012 hm)

Anfahrt zur Burg Karlštejn

Wir verließen das Berounkatal und kreuzten es später erneut, um zur Moldau (Vltava) zu gelangen – dem „Böhmischen Meer". Bei Kilometer 258 gab es eine kleine Tankstelle mit Imbiss (bis 21:00 Uhr geöffnet). Die schafften wir aber nicht mehr.

Danach wurde die Versorgung dünn, erst in Benešov bei Kilometer 292 gab es wieder eine 24h-Tankstelle. Doch vorher hielten wir noch an Schloss Konopiště, unserem nächsten, 6. Kontrollpunkt – mitten in der Nacht.

Kontrollpunkt 6 Schloss Konopiště (00:24 Uhr, 296 km, 1191 hm)

Wir kamen beim Schloss Konopiště um 0:24 Uhr am Sonntag früh an. Deshalb haben wir nur ein Foto aus Wikipedia.

Schloss Konopiště (Ввласенко, CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

In Benešov bei Kilometer 292, haben wir an einer 24h-Tankstelle (OMV beim Kaufland) ausgiebig gerastet – wie man halt nachts um 1 Uhr rastet. Interessant zu beobachten war, dass wir fast nichts mehr essen konnten. Es ging einfach nichts mehr rein. Das Völlegefühl wurde auch erst kurz vor Ende der Tourt wieder besser.

Nach Benešov wurde es ruhig, erst in Kutná Hora bei Kilometer 371 gab es wieder eine 24h-Tankstelle. Vorher, in Auf dem Weg nach Kutná Hora passierten wir Český Šternberk, eine bewohnte Burg aus dem Jahr 1241, seit Jahrhunderten im Besitz der Grafen von Sternberg (Kontrollpunkt 7). Wir waren am Sonntag früh um 03:09 Uhr da und haben deshalb auch hier nur Nachtaufnahmen.

Kontrollpunkt 7 Český Šternberk (03:09 Uhr, 326 km, 450 hm)

Český Šternberk bei Tag (FDominec, CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Schloss Žleby ließen wir aus und fuhren direkt nach Kutná Hora, wo sich Kontrollpunkt 8 befand. Kutná Hora ist eine ehemalige Silberstadt mit monumentalen Bauwerken. Wir passierten die Kirche Mariä Himmelfahrt, die Knochenkirche Kostnice Sedlec und den Dom der heiligen Barbara – alles UNESCO-Weltkulturerbe. Ein kurzer Fußweg lohnte sich für den Ausblick von der Terrasse.

Kontrollpunkt 8 Kutná Hora (06:15 Uhr, 376 km, 658 hm)

Dom der heiligen Barbara
Blick von der Terrasse

Weiter ging's ins Elbtal, nach Kolin, wo Marco für uns eine Übernachtung gebucht hatte. Wir kamen gegen 7 Uhr morgens in Kolin an. Der Vermieter hatte mehrere Hotels und so waren wir zunächst beim falschen Hotel und konnten mit den Tür-Codes nicht rein. Außerdem mussten wir dann die Ausweise einscannen etc. Bis wir endlich im richtigen Hotel in unserem Zimmer waren (vielleicht 8 Uhr), hatten wir ziemlich genau noch eine Stunde Zeit zum Schlafen. Das Frühstück war im Preis dabei, aber wir verzichteten zugunsten der Schlaf-Stunde.

In Kolin war ich auch schon 3½ Wochen vorher, auf meiner Radtour nach Kroatien.

Bevor es weiter ging, wurden noch einmal Riegel und Getränke getankt.

Kolin, Supermarkt nach der Pause, ca. 393 km

Weiter ging's im Elbtal nach Zámek Poděbrady, dem 9. Kontrollpunkt. Die ersten Kilometer zwischen Kolin und Nymburk kannte ich schon aus der Regentour mit Dietmar. Diesesmal gab es allerdings heftigen Gegenwind statt heftigen Regen. Dazu kam, dass unser Begleiter Sebastian den ersten seiner drei Platten am heutigen Tag hatte.

Kontrollpunkt 9 Zámek Poděbrady (10:18 Uhr, 406 km, 187 hm)

Zámek Poděbrady (VitVit, CC BY-SA 4.0, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Anschließend ging es vorbei an Nymburk nach Benátky nad Jizerou, wo wir das Schloss links liegen ließen und Richtung Mladá Boleslav fuhren – Geburtsort der Marke Škoda. Die ganze Strecke hatten wir wirklich extremen Gegenwind. Wenn sich Alex hier nicht so heldenhaft in den Wind gestemmt hätte, wäre es wirklich schwer geworden.

Wir hielten am Zámek Stránov, einem Märchenschloss auf einer Burg aus dem 15. Jahrhundert (Kontrollpunkt 10).

Kontrollpunkt 10 Zámek Stránov (12:26 Uhr, 447 km, 233 hm)

Zum Abschluss ging es ins Kokořínsko, ein Schutzgebiet mit Sandsteinfelsen, Schluchten und Burgen. Gleich zu Beginn passierten wir die Brauerei Pivovar Lobeč, gefolgt von der Burg Hrad Kokořín (Kontrollpunkt 11), die versteckt im Wald auf einem Felsen thronte. Einst eine Ruine, wurde sie Anfang des 20. Jahrhunderts liebevoll restauriert und wird bis heute als Denkmal erhalten.

Kontrollpunkt 11 Hrad Kokořín (14:52 Uhr, 485 km, 611 hm)

Wir sind leider am Kontrollpunkt vorbeigefahren (viele Höhenmeter). Während Alex vom Punkt des Fotos aus noch in der App einchecken konnte, musste ich noch einmal ziemlich weit runterfahren, um den GPS-Punkt zu holen. Und dann wieder hoch, natürlich.

Von hier aus begann langsam die Rückreise. Wir verließen das Kokořínsko in Richtung Děčín, doch das České Středohoří stellte sich uns noch einmal in den Weg.

Ich hatte inzwischen einen ordentlichen Hungerast erarbeitet und so mussten wir unterwegs in Úštěk erst einmal eine längere Pause machen, bevor wir den letzten großen Berg angingen.

Es galt noch rund 500 Höhenmeter in Angriff zu nehmen, bevor wir bei Kilometer 556 am Schloss Děčín unsere letzte Kontrollstelle in Tschechien erreichten – ein würdiger Ort für den letzten Stempel.

Kontrollpunkt 12 Schloss Děčín (19:57 Uhr, 560 km, 1241 hm)

Eingangsportal von Schloss Děčín
Der lange Bogengang hinauf zum Schloss
Pfau in den Rosengärten von Schloss Děčín

Ab hier folgten wir dem Elberadweg durch die Sächsische Schweiz – flach, ruhig und landschaftlich beeindruckend. Vorbei an den Schrammsteinen und dem markanten Lilienstein erreichten wir Königstein, wo die imposante Festung schon von weitem über dem Elbtal thronte.

Unser Begleiter Sebastian hatte wieder Pech: er fuhr über einen Stein und holte sich damit gleich zwei Platten. Zum Glück hatten wir genügend Ersatzschläuche dabei.

Durch die längeren Reparaturzeiten wurde es doch noch später, als wir erhofft hatten. Außerdem zogen sich die 55 km, die nach dem letzten Kontrollpunkt noch zu fahren waren, ziemlich lang hin. Die letzten Kilometer raste zum Glück Alex wieder voran und so kamen wir doch noch rechtzeitig, nach 39 Stunden, ins Ziel nach Heidenau.

Blick ins Elbtal auf dem Weg durch die Böhmische bzw. Sächsische Schweiz

Kontrollpunkt Ziel Radrennbahn Heidenau (23:07 Uhr, 613 km, 489 hm)

Im Ziel wurden wir von Björn, dem Chef von ARA Dresden, und von seiner Frau empfangen. Wir bekamen gutes Essen (ich hatte mehrere Teller einer liebevoll gekochten Soljanka, dazu ein tschechisches Bier mit 12 % Alk). Ein wirklich tolles, liebes Team bei ARA Dresden. Wenn nur die vielen Höhenmeter nicht wären, dann wäre ich hier öfter am Start!

Im Ziel an der Radrennbahn Heidenau

Der Hauptteil des Textes ist von ARA Dresden, nur angereichert mit unseren Erlebnissen und Bildern. Vielen Dank an Björn für die tolle Tour!